„Landwirtschaft ist Zukunft“ – Anne und Dirk Sandering über Tierwohl und moderne Schweinehaltung

Wie sieht moderne Landwirtschaft heute wirklich aus?
Anne und Dirk Sandering zeigen in diesem Interview, wie Tierwohl, Nachhaltigkeit und wirtschaftliches Arbeiten auf ihrem Betrieb zusammenkommen.

Mit rund 800 Hektar Ackerbau, innovativer Schweinehaltung in höheren Haltungsformen und einem starken Fokus auf Kreislaufwirtschaft verbinden sie klassische Landwirtschaft mit zukunftsorientierten Ansätzen. Auch erneuerbare Energien spielen auf ihrem Hof eine zentrale Rolle.

Im Gespräch geben sie ehrliche Einblicke in ihren Alltag: Wie erkennt man Tierwohl im Stall? Welche Herausforderungen bringt die Landwirtschaft mit sich? Und warum ist ihnen der Dialog mit Verbraucherinnen und Verbrauchern so wichtig?

Ein Blick hinter die Kulissen eines Betriebs, der zeigt: Landwirtschaft ist heute weit mehr als nur Lebensmittelproduktion – sie ist ein entscheidender Teil unserer Zukunft.

Stellt euch und euren Hof doch einmal kurz vor – was macht euch und eure Arbeit besonders? Was bedeutet Landwirtschaft für dich persönlich

Also unser Betrieb bewirtschaftet heute knapp 800ha Ackerland mit dem Schwerpunkt Kartoffelanbau sowie Mais- und Getreide.  Wir setzen im Ackerbau stets auf Nachhaltigkeit und wollen somit auch Kreisläufe vereinen und Ressourcen nutzen.  Im Weiteren spielt für uns immer mehr die Rolle in der Schweinemast diese wir nun seit 2 Jahre auch in der höheren Haltungsform umsetzen, aber auch die Erneuerbare Energie in Form von Biogas, Windkraft, Photovoltaik und auch Speicherung von Wärme und Strom ist ein fester Faktor geworden. Landwirtschaft bedeutet für mich, dass wir heute mehr als nur gesunde Lebensmittel produzieren können und es auch tun, sondern auch nachhaltige und bewusste Bewirtschaftung unserer Böden und Landschaft betreiben und dabei auch den Fokus auf Zukunftssicherung setzen, zugleich setzen wir uns für Tierwohl und Umwelt ein um so alles unter einem Hut zu bekommen.  Landwirtschaft ist mehr als nur ein Anbau und eine Haltung, Landwirtschaft ist die Zukunft unseres Lebensraums.

In welcher Haltungsform hältst du deine Schweine  und was war dir bei der Entscheidung besonders wichtig? Was zeichnet euer Stallkonzept aus?

Wir halten unsere Schweine sowohl in der HFO2 als auch in der HFO3, mit der neuen Haltungsform haben wir 2023 ein Zeichen für mehr Tierwohl in Zusammenhang mit der nachhaltigen und Ressourcenschonenden Energieproduktion gesetzt.  Abgerundet und ausgezeichnet wird das Konzept dadurch, dass wir 100% den Gedanken der Kreislaufwirtschaft verfolgen in dem wir den Ackerbau mit der Tierhaltung verknüpfen was die Nutzung vom Stroh und die Verwertung vom Dünger angeht.

Ihr habt in Tierwohl-Ställe investiert – was hat euch dazu bewegt? Woran erkennst du im Alltag, dass es deinen Tieren gut geht?

Das es den Tieren gut geht, merkt man täglich immer wieder aufs Neue, die Ruhe im Stall die Gelassenheit der Tiere, funktionierender Ringelschwanz und die guten Leistungen sagen mehr als nur Tierwohl sondern sorgen auch für ein gutes Betreiberwohl, denn wenn es dem Personal im Stall gut geht und man mit Freude bei den Tieren ist, geht es denen auch gut. „Klassisches Beispiel Hund:  Wie das Herrchen so der Hund“

Nimm uns doch einmal mit auf den Weg deiner Schweine – vom Ferkel bis zum Supermarkt. Wie regional ist eure Wertschöpfung organisiert? Welche Partner aus der Region spielen dabei eine Rolle?

Begonnen wird das ganze ja im Landkreis Cloppenburg, wo die Ferkel geboren und aufgezogen werden dann kommen Sie per LKW zu uns ins den Stall und können das Erlebnis von 100% Stroh, viel Tageslicht und auch GMO freier Fütterung genießen, das Einstallen und auch Ausstallen verläuft immer strikt mit viel Ruhe und Geschick, der Blick am Tier ist uns sehr wichtig.  Auch die Verladung verläuft immer in voller Ruhe sodass bei den Tieren bis zum Schlachthof hin keinerlei Stress o.Ä. aufkommt.  Das Fleisch wird dann über ein Regionales Markenprogramm vermarktet.  QTH – Qualität vom Teutoburger Hofschwein heißt es und wird zum Großteil in dem Regionalen LEH vermarktet.  Das Ganze wird auditiert und gelabelt nach den Kriterien des Deutschen Tierschutzbundes e.V. in Zusammenarbeit mit der Böseler Goldschmaus Gruppe aus dem Niedersächsischen Garrel.
 

Aus deiner Erfahrung: Welche Faktoren sind entscheidend, damit Tierwohl im Alltag wirklich gelebt wird? Wo siehst du noch Potenzial – was möchtet ihr in Zukunft weiterentwickeln?

Ich finde man braucht nicht viel, man muss den Tieren nur ein Teil der natürlichen Prozesse wiedergeben, dass wäre zb. das wühlen, wir beobachten immer mehr das genau der Faktor bei uns ist was den Erfolg des Ringelschwanzes ausmacht, Platz und auch die Struktur spielen auch eine Rolle.  Potenzial sehe ich bei uns darin die Haltungsform und das System auf die Vorgelagerte Ferkelaufzucht zu erweitern. 

Wie stellst du dir eine verantwortungsvolle Tierhaltung der Zukunft vor? Welche Rahmenbedingungen braucht es dafür aus deiner Sicht?

Das ist immer schwer zu sagen und hängt stark von den jeweiligen Betriebsstrukturen ab finde ich. Wir brauchen jedoch alle eines und das ist Sicherheit der Planung von der Regierung und das nicht nur für ein oder zwei Jahre sondern über einen Zeitraum von min. 10 Jahren und mehr, klare Richtlinien und klare Strukturen und nicht ein hin und her dafür sind die Investitionen einfach  zu teuer.

Ihr engagiert euch stark in der Öffentlichkeitsarbeit – warum ist euch das so wichtig? Was macht ihr konkret, um Verbraucher mitzunehmen?

Und wo wünschst du dir noch mehr Dialog oder Unterstützung?

Das ist finde ich eine Ansichtssache, mehr Dialog insbesondere aus den oberen Reihen. Die Politik steht immer da und sagt „Wir helfen euch, wir helfen euch“ aber was genau passiert da wirklich?  Verbände und Fachberater müssten mehr auf neue und moderne Landwirtschaft aufspringen.  KI wird ein großes Thema werden, wir nutzen es ja schon mehrere Jahre nun in der Schweinehaltung aber auch im Ackerbau und der Verarbeitung.

Tierwohl liegt am Tierhalter- würdest du das so unterschreiben? Wie wichtig ist aus deiner Sicht die Rolle des Landwirts selbst für das Tierwohl?

Wie ich ja oben schon berichtet habe, das Tier ist nur so gut wie sein Herrchen (Betreiber)  das ist ein wichtiger Punkt im System finde ich.

Was macht dich im Alltag als Landwirt besonders stolz? Was möchtest du Verbrauchern gern einmal direkt mit auf den Weg geben?

Da habe ich ganz einfache Sätze:

„Redet nicht über uns, sondern mit uns“

„Informiert euch, bevor ihr Urteilt und entscheidet“

„Stellt die Frage, was ist wichtiger, Technik und Lifestyle oder lebenswerte Ernährung und das Leben“

Vielen Dank für das Interview!